los encuentros

...und die Geschichte mit dem Trio Animæ und Astor Piazzolla geht wirklich weiter. Die Leser der Animæ's Tribune 2002 kennen schon die Legende um die 4 Jahreszeiten und das erste Big Pack

“3 minutos con la realidad”. Damals waren wir nach den ganzen Anstrengungen von Aufnahmen und Promotion Tour so glücklich, dass wir uns für eine Weile wieder anderen Dingen zuwanden. Doch wie bei jeder Droge bleibt das Gefühl im Körper zurück, und es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das Argentinien-Fieber wieder ausbrechen würde.

Eigentlich wollten wir unseren Freund José Bragato nur um ein/zwei Stücke bitten, doch zu unserem Glück leidet der Maestro drüben in Buenos Aires am selben Fieber. Und so schickt er uns das PAKET 2. Es ist wie Weihnachten und Geburtstag zugleich: Tango Ballet, Revirado, Zigue-Zague, Bragatissimo und und und... Dazu Musik von der alten Garde der jungen argentinischen Musik. Also setzt man sich hin, entziffert Manuskripte, fügt fehlende Takte ein, versucht die Harmonien auf Piazzolla zu “tunen” (immerhin hatte Maestro Bragato kürzlich seinen 90...) und gerät langsam aber sicher wieder in den Strudel von Astors Zaubermusik.

Szenenwechsel - In Lausanne am schönen Genfer See macht der Geiger Jean-Christophe die Bekanntschaft von Alicia Terzian, ihres Zeichens argentinische Musikerin und Komponistin. Eine Grande Dame, wie man rasch merkt, die es nicht gewohnt ist, sich lange durch Widerstände aufhalten zu lassen. Auch sie erkennt sofort die musikalischen Absichten des Trio Animæ, sie kann sich begeistern für die Musik, die wir auf der CD “Souls in the dark” propagieren. Es folgt eine Einladung zu dem wichtigsten Festival für zeitgenössische Musik in Buenos Aires “encuentros”, das von dieser beeindruckenden Persönlichkeit organisiert wird. Zeitgleich studieren wir die Auftragskomposition “après le silence” von Dieter Ammann ein, und nach einigen Verhandlungen über das Programm können wir die Tickets nach Südamerika buchen. Natürlich ist unser erster Gedanke den “Großonkel José” zu informieren, dieser freut sich riesig auf das Treffen mit den “chicos”.

Der Zufall wollte es, dass wir uns schon früher trafen. Im Frühjahr 2005 folgt Bragato einer Einladung nach Luzern, wo Stücke von ihm aufgeführt werden. Er reist in Begleitung seiner zweiten Frau, der Opernsängerin Gina Lotufo, und dem als Pianisten engagierten Daniel Goldstein. Diese wunderbaren Menschen verbringen einen durch die Anekdoten des Meisters gewürzten Abend zusammen mit dem Trio Animæ. Man sagt sich auf Wiedersehen, und schon im September des gleichen Jahres trifft man sich wieder im Eldorado der Piazzolla-Jünger! Um es kurz zu machen - wie auf einer richtigen Pilgerfahrt sind wir geblendet und erschlagen von den vielfältigen Eindrücken der 12 Millionen-Stadt Buenos Aires. Die Stadt “stinkt” nach Tango, und das aus allen Poren... man weiß nicht mehr, wo anfangen mit der Aufnahme von Ideen, es wird lange dauern, bis alle Anregungen in Gedanken und Papier sortiert und verarbeitet sind. Mit Bragato geht es ins Nationalarchiv und, ein unvergesslicher Moment, zum Grab Piazzollas im Jardím de Paz. Dort liegt einer der genialsten Musiker, vergessen von seinen habsüchtigen Ex-Frauen, und dort in seiner Nähe hat sich auch sein Wegbegleiter José Bragato bereits seine letzte Wohnung reserviert. Nach den ganzen “asados” (dies ist der argentinische Nationalsport, bei dem es darum geht, möglichst viel gegrilltes Rindfleisch und Rotwein aufzunehmen) und einigen Auftritten in diesem schönen Land geht es wieder nach Hause : Die Geschichte mit Piazzolla geht weiter...